Geschichte

Ein Streifzug durch Splügens Geschichte

Splügen wird 831 erstmals schriftlich in einem Güterverzeichnis der karolingischen Kaiser erwähnt. Eine eigentliche Besiedlung des Dorfes dürfte aber erst im 13. Jahrhundert stattgefunden haben, als die deutschsprachigen Walser über den San Bernardino ins Rheinwald einwanderten. Vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert bildete der Warentransport über die Pässe die Haupteinkommensquelle für die Splügner Bevölkerung. Verschiedene Katastrophen sorgten aber dafür, dass die Bäume nicht in den Himmel wuchsen: 1716 und 1751 wüteten Dorfbrände, Hochwasser zwangen die Leute, gefährdete Dorfteile zu verlassen, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbreiteten französische Invasionstruppen Elend und Schrecken.

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Die Rheinwalder waren ein zäher und genügsamer Volksschlag, der immer wieder Mut zu neuen Taten fasste. 1818 – 1823 wurden die Saumpfade über den Splügen und den San Bernardino zu Fahrstrassen ausgebaut, was zu einem Aufschwung des Waren- und Personentransits führte: Die Gästebücher der einheimischen Hotels verzeichneten weit über 1’000 Übernachtungen pro Jahr. Aber mit der Eröffnung des Gotthardtunnels wurde den meisten Splügnern die Arbeits- und Verdienstmöglichkeit zunichte gemacht. Der Warentransport sank innert kurzer Zeit von 14’000 Tonnen auf 1’000 Tonnen. Viele Rheinwalder mussten auswandern, nach Italien, Nordamerika und Neuseeland. Zur Zeit des 2. Weltkrieges bestand die Absicht, das Dorf Splügen in den Wasserfluten eines mächtigen Stausees versinken zu lassen, was aber eine geschlossen kämpfende Bevölkerung zu verhindern wusste. Ein neues Kapitel in der Geschichte des Passdorfes Splügen begann 1967 mit der Eröffnung des Strassentunnels durch den San Bernardino. Auch aus diesem neuen Verkehrsweg zog Splügen Nutzen und entwickelte sich zum beliebten Wintersportplatz und Sommerferienort. Der Stellenwert der Landwirtschaft hat deswegen an Bedeutung nicht verloren, im Gegenteil: Tourismus und Landwirtschaft funktionieren gut nebeneinander.

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Dank seiner Lage am Fusse des schon von den Römern begangenen Splügenpasses wurde das Dorf über Jahrhunderte hinweg vom Transit geprägt, was sich in der Architektur wie im Wesen der Einwohner niedergeschlagen hat. Die braungebrannten Walserhäuser, die stolzen Palazzi sowie die mächtigen Susten sind Zeugen dieser Zeit, und nicht zuletzt deswegen wurde das Dorf vom Heimatschutz als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft. 1995 erhielt Splügen den Wakkerpreis, der das Bestreben honoriert, althergebrachte, wertvolle Bausubstanz zu erhalten und diese mit der Gegenwart sinnvoll zu verflechten.

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Seit dem 1. Januar 2006 bildet das Dorf Medels neu einen Teil der Gemeinde Splügen. Diese heute ca. 40 Einwohner  zählende Streusiedlung wurde ursprünglich von Romanen aus dem Schams als Alpgebiet genutzt, dann aber ebenfalls von den Walsern besiedelt. Wie Splügen war auch Medels  erst im Schirm der Freiherren von Sax-Misox, von Vaz und von Werdenberg-Sargans und dann bis 1616 im Besitz der Mailänder Grafenfamilie Trivulzio. In der Aebi westlich des Dorfes wurde vom 15. Jh. bis 1856 alljährlich die Rheinwalder Landsgemeinde abgehalten.

Text: Kurt Wanner, Splügen